Die wilde Brunhilde

Das Hypegerät 2019 steht bereits seit Jahresbeginn fest, es ist natürlich die Brunhilde, das Gemeinschaftsprojekt von 103 deutschen Dampfern und dem chinesischen Hersteller Vapefly. Extrem gehypt und ebenso extrem gedisst – kaum ein Dampfer kam in den letzten Wochen um die wilde Hilde rum. Wir natürlich auch nicht:

Die Brunhilde von Vapefly

Das besondere an der Hilde ist zum einen die Kooperation von Dampfern und chinesischem Hersteller, wobei der ein oder andere unkt, dass die Brunhilde ja lediglich ein geklontes Sammelsurium von anderen Verdampfern sei. Ich sehe es eher so, dass die Macher durch gute Ansätze und Systeme inspiriert wurden und diese dann perfektioniert haben. Abgesehen davon ist es heute kaum noch möglich, ein völlig neues System zu bauen – alles gab es schon mal irgendwo.
Zum anderen ist das besondere der Preis – schlanke 50 Euro für einen durchdachten, gut verarbeiteten Topcoiler, das ist mal eine Ansage, zumal man auch beim mitgelieferten Zubehör nicht geizig war.

Ich nutze die wilde Hilde jetzt seit gut fünf Wochen, also genügend Zeit um die ersten Eindrücke niederzuschreiben.

Die Verarbeitung:

Solide! Lediglich der O-Ring an der Driptipaufnahme ist etwas zu dünn (unschön, wenn man sein Driptip oder gar den 510er Adapter zu verlieren droht) und der ein oder andere Docht sitzt etwas spack in seinem Loch, was eventuell für Probleme mit dem Nachfluss sorgt. Für beides gibt es Lösungen (anderes Driptip oder anderen O-Ring; zwei Litzen pro Docht rausnehmen, nix entkernen!), ansonsten habe ich schon Verdampfer made in Europe erlebt, die weitaus schlechter verarbeitet waren!

Das Deck mit der 3D-Airflow im Postblock

Das Handling

Coils rein, Watte durchziehen, umklappen, auf die Dochte legen, mit Liquid befüllen – und die Hilde ist einsatzbereit.

Die recht durchdachte Airflow bietet dem User eine weite Range, dennoch ist die Hilde nicht für den MTL-Gebrauch gemacht – sie möchte gut Leistung haben, und mit meinen 70 Watt befeuere ich sie noch sehr zurückhaltend. Der Liquidverbrauch ist entsprechend üppig, aber wer heutzutage bei einem DL-Dualcoiler etwas anderes erwartet ist selbst schuld.

Noch eine Anmerkung zur Befüllöffnung: Nach anfänglichen Problemen bin ich mittlerweile von dieser recht begeistert. Flasche gerade ansetzen, mutig drücken, und das Ding sabbert so gut wie nicht. Man sollte nur immer dran denken, anschließend das Tankshield wieder zurück zur Airflow zu drehen…

Feuer frei!

Der Geschmack:

Die Brunhilde wird gerne mit ähnlichen Dual-Topcoilern wie dem Gelite², dem Corona und dem Vapor Giant Extreme verglichen, nur um die bekanntesten zu nennen. Sowohl im Handling als auch Geschmack kommt sie da am ehesten an den Gelite von GSV ran – natürlich mit deutlich weniger Materialaufwand. Den Vapor Giant toppt die Hilde locker, der Corona ist in diesem Segment allerdings geschmacklich unerreicht.

Natürlich gibt es bessere Geschmacksverdampfer, in erster Linie sei der GT IV genannt, der für mich zur Zeit leckerste RTA, aber da kann man auch Äpfel mit Kirschen vergleichen – jo, ist beides Obst. 😉

Abgesehen davon ist ja auch der Spaß, den ein Gerät bringt, ein großer Faktor – und Spaß macht die wilde Hilde definitiv.

Fazit:

Das Gerät ist absolut stimmig in Punkto Verarbeitung, Handling und Geschmack, vor allem zu diesem Preis, und somit finde ich den Hype um die Brunhilde durchaus gerechtfertigt! Allerdings muss man schon der richtige Dampfertyp für diese Performance sein – und bereit, sich mit der wilden Hilde auseinanderzusetzen.

Brauche ich die Brunhilde nun?

Wenn du ausgewiesener Backedampfer bist, dann nicht. Und wenn du zu den Leuten gehörst die meinen, ein Selbstwickler, dazu ein Topcoiler, müsste sofort, immer und überall problemlos funktionieren, dann auch nicht.

Wenn du hingegen Topcoiler mit offenem Zug magst, oder einen solchen schon immer mal ausprobieren möchtest, dann solltest du bei der Hilde zuschlagen – zu diesem Preis gibt es derzeit nichts besseres!

Stefans Hilde auf der Paranormal mit passendem Driptip

Noch eine abschließende Anmerkung zu einer Frage, die ich zuletzt von einigen Dampfern gehört habe, nämlich ob die deutlich teureren High End-Geräte aus deutscher (oder schweizer) Herstellung noch eine Existenzberechtigung haben, wenn man ein solches Gerät aus China jetzt für einen Bruchteil des Anschaffungswiderstandes bekommen kann. Die Antwort ist ein ganz klares ja! Zum einen wäre da der bereits oben erwähnte Spaßfaktor, der in meinen Augen zum Beispiel bei einem Gelite nochmal ein Stück höher ist, was auch, aber nicht nur an der deutlich dickeren Materialstärke liegt. Zum anderen: Ohne die “Vorarbeit” von Smokerstore, German Stil Vapor oder meinetwegen auch Vapor Giant gäbe es die Brunhilde wohl gar nicht. Eine Brunhilde ist halt keine S-Klasse, aber mit einem Opel Astra kommt man auch schnell und bequem ans Ziel.

Vapefly Brunhilde, 49,90€, in der Special Edition nen Zehner teurer.

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