Siegfried – kein Ritter der traurigen Gestalt
Siegfried – kein Ritter der traurigen Gestalt

Siegfried – kein Ritter der traurigen Gestalt

(Lesezeit: ca. 6 Minuten)

Mesh-Selbstwickler sind ja seit geraumer Zeit der heiße Scheiß große Hype, und auch Vapefly brachte, wieder unterstützt von den “German 103”, Ende letzten Jahres einen solchen auf den Markt: Siegfried, eine Kombi aus ungeregelter Tube und einem RTA, wobei beides auch einzeln erhältlich ist.

Hier wollen wir uns in erster Linie mit dem Verdampfer beschäftigen. Obwohl das Gerät schon etwas länger auf dem Markt ist habe ich ihn keinem Langzeittest unterzogen, aber für ein paar persönliche Eindrücke sollte meine Zeit, die ich mit dem Siegfried verbracht habe, ausreichen.

Die Optik

Rein optisch ist der Siegfried kein Verdampfer, der einem sofort auffällt – er ist keine ausgemachte Schönheit, aber auch keinesfalls hässlich. Kein sonderlich innovativer Wurf, aber er wirkt gefällig, und bei einem Durchmesser von 25mm und der Länge von 69mm stimmen auch die Proportionen.

Das Glas ist relativ kurz, sitzt aber an der richtigen Stelle, so dass man immer erkennt wenn es an der Zeit ist, nachzufüllen. Die Befüllung geht leicht über die Topcap mit Bajonettverschluss, die eingelassene Silikonabdichtung kann man, so sie einen denn stört, auch entfernen. Der Verdampfer verfügt über eine leichtgängige, stufenlos verstellbare Airflow und ist ausgelegt für den gemäßigten bis direkten Lungenzug. Der Zug selbst ist angenehm smooth, das Zuggeräusch ist hörbar, aber nicht störend.

Der Geschmack

Obwohl man das Deck auch problemlos mit einer klassischen Singlecoil – aus Draht und so, die älteren Dampfer kennen das noch – betreiben kann ist der Siegfried in erster Linie als Mesh-Verdampfer gedacht, und auch nur so habe ich ihn in meinem kleinen Test betrieben. Wie schon häufiger erwähnt hat Mesh seine Eigenarten: Der Geschmack ist eher “bääääm” als differenziert, die süßen Noten werden gerne mal betont, und wer das mag, der wird den Siegfried lieben.

Neue Geräte werden ja heutzutage inflationär als “beschde” gehypt. Soweit würde ich nicht gehen, aber zumindest mit den von mir getesteten Liquids bekommt der Siegfried für seinen Geschmack ein klares “sehr gut”! Und er würde auch sicher in den Kreis meiner Dauerdampfen aufgenommen, wenn da nicht… aber dazu später mehr.

Das Deck

Das Deck ist schlicht gehalten – keine gefederte Brücke, keine Durchschleifmöglichkeit, einfach zwei Klemmbacken mit je einer Schraube (Kreuzschlitz!) und zwei kleinen Federn, die die Backen beim Lösen der Schrauben auseinanderdrücken, das war’s.

Mit den hauseigenen Meshplättchen (drei verschiedene sind derzeit verfügbar, mit unterschiedlichen Materialien und jeweils um die 0.2 Ohm) ist das Anbringen recht einfach, man muss nichts ausmessen oder abschneiden – einfach die eine Seite des Meshstreifens festschrauben,  leicht biegen, Watte drunterpacken, die andere Seite festschrauben, fertig. Alternativ kann man auch erst das Mesh komplett befestigen und dann die – mitgelieferte – “Schnürsenkelwatte” durchziehen. In jedem Fall wichtig: Die Watte soll möglichst bündig am Deckende abgeschnitten werden, also nichts umklappen oder gar in die Rinne legen! Natürlich lässt sich auch Mesh von der Rolle verwenden, zum Zuschneiden am besten eines der mitgelieferten Plättchen als Vorlage nutzen.

Der Vorteil dieses schlichten Decks: Die “Wicklung” ist schnell angebracht, Neulinge werden nicht mit einer komplizierten Technik überfordert, auf alles Überflüssige wird verzichtet. Der Nachteil: die Wattemenge muss direkt passen, ein Nachziehen des Mesh-Streifens ist nicht möglich. Die Durchschleiftechnik, über die mein ach so geliebter Simurg verfügt, ist mir persönlich zwar lieber, aber das bedeutet auch einen höheren Konstruktionsaufwand, was den Verdampfer wahrscheinlich wieder teurer gemacht hätte. Aber auch mit diesem Deck hat man den Bogen schnell raus, also alles schick.

Nachflussproblem? Nö!

Vapefly wirbt mit “Anti Dryburn System”, trotzdem las ich schon die ein oder andere Klage über Dryhits. Eigentlich dürften diese, wenn man sich das System genau anschaut, nicht vorkommen, und ich hatte bei meinen Test auch keinerlei Probleme, selbst bei hoher Leistung und vielen Zügen nacheinander nicht. Wichtig ist, dass man für ausreichend Watte unter dem Meshstreifen sorgt – muss spack sitzen, wie der Rheinländer sagt – und die Watte wirklich sehr bündig abschneidet.

Ein Schritt zu viel

Leider hat der Siegfried in meinen Augen einen kleinen Nachteil: Baubedingt muss man ihn, um ans Deck zu kommen, vom Akkuträger lösen. Das kennen wir bereits vom Aromamizer oder vom Widowmaker, viele Leute mag es auch überhaupt nicht stören, zumal Mesh in der Regel deutlich länger hält als klassische Coils und man somit nur selten ans Deck muss.

Mich persönlich stört mittlerweile dieser zusätzliche Schritt (im Grunde genommen zwei zusätzliche Schritte, das Deck muss nach dem Wickeln ja auch wieder unter den Verdampfer geschraubt werden), weshalb der Siegfried für mich eben kein Alltagsgerät wäre. Aber das ist meine ganz persönliche Macke.

Die Tube

Wie eingangs erwähnt gibt es zum Siegfried auch einen Akkuträger in Tube-Form. Dieser arbeitet nur im Bypassmodus, lässt sich also nicht regeln und haut raus, was der Akku hergibt. Vorteile solcher Tubes: Sie sind klein, übersichtlich und stellen auch einen Anfänger nicht vor große Probleme – Knopf drücken, fäddich, und wenn nicht mehr genug Leistung kommt muss eben der Akku gewechselt werden. Ganz glücklich bin ich mit solchen Geräten bei Einsteigern zwar nicht, aber der Siegfried-Mod verfügt über diverse Schutzschaltungen, eine LED gibt Auskunft über die Akkuspannung, und zumindest solange man die vorgefertigten Meshstreifen von Vapefly nutzt muss man sich auch keine Gedanken über den passenden Widerstand machen. Natürlich sollte der Einsteiger bei der Auswahl des Akkus richtig beraten werden.

Die Tube selbst ist schön klein, der Taster angenehm “klicki”, und mit einem 21700er Akku kommt man auch erst mal eine gute Weile hin. Die Optik ist ja immer Geschmackssache – ich persönlich finde die Laserung ganz gelungen, sie ist in meinen Augen aber auch dezent genug um im Zweifel nicht ernsthaft zu stören.

Das Set

Natürlich ist es schön, dass man die Komponenten – Verdampfer und Tube – auch einzeln erwerben kann, so richtig passt der Schuh aber als Set. Optisch und technisch perfekt aufeinander abgestimmt liegt sie mit einer Gesamtlänge von 168 Millimetern auch angenehm und ausgewogen in der Hand.

Wer braucht das jetzt?

Für circa 70 Euro bekommt man eine durchaus ansprechende Kombi, die zum einen Einsteiger anspricht – wobei auch an dieser Stelle der Hinweis nicht fehlen darf, dass man sich mit einem Selbstwickler erst mal auseinandersetzen muss. Wer nach einiger Zeit feststellt, dass Mesh einfach nicht sein Ding ist kann auch ohne zusätzliche Kosten oder Umbauten klassische Coils nutzen. Zum anderen wäre das Siegfried-Kit aber auch eine schöne, preiswerte “Unterwegsdampfe” für den passionierten Nerd.

Da ich kein Freund von ungeregelten Akkuträgern bin und mich der oben genannte “zusätzliche Schritt” stört bin ich aus der Nummer raus, dennoch kann ich das Set – und auch die einzelnen Komponenten – durchaus empfehlen. Und bei der recht entspannten Preisgestaltung kann man auch nicht all zu viel falsch machen.

 

Name: Siegfried
Hersteller: Vapefly
Durchmesser: 25,2mm
RTA:
Länge: 69mm
Fassungsvermögen: 7ml
Mesh oder Singlecoil
Topfilling
810er Driptip
Gemäßigter bis offener DL
Tube:
Länge: 99mm
Ein 18650/20700/21700er Akku
Bypass
LED für Akkuspannung
Diverse Schutzschaltungen (u.a. Kurzschluss, Verpolung, Überladung, 10 Sekunden-Abschaltung)
Farben: Edelstahl, Schwarz, Gunmetal (weitere folgen als limitierte Edition)
Preis: RTA und Tube je ca. 40€, Kombi ca. 70€

 

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