Lieber Mesh oder Coils?
Lieber Mesh oder Coils?

Lieber Mesh oder Coils?

(Lesezeit: ca. 5 Minuten)

Wer seine Verdampfer selbst wickeln möchte benötigt Heizdraht. Aus Nickel-Chrom, Edelstahl oder Kanthal, in frühen Temperatur-Stadien auch aus Nickel oder Titan. Dieser wird mit Hilfe eines Schraubendrehers oder – ganz tricky – einer Wickelhilfe zu einer Spule gewickelt, an den Posts befestigt, ausgeglüht, und dann mit Watte bestückt. Eine ganz schöne Fummelei, gerade für Grobmotoriker ziemlich herausfordernd, aber so haben wir das in den Anfangstagen des Dampfens gelernt, und daran hat sich auch jahrelang nichts geändert.

Drahtgefummel 2014

Dann kam im Frühjahr 2017 der Taifun BT auf den Markt – ein von Thomas Brückmann entwickelter und von Smokerstore vertriebener Verdampfer, der auf Edelstahlgewebe, sogenanntem Mesh, statt dünner Drähte setzte. Leicht zu handhaben, langlebig und extrem flexibel in der Leistung sollte er sein. Plötzlich brach der große Mesh-Hype aus…

Erster Mesh-Hype durch den Taifun BT

…und war nach kurzer Zeit auch schon wieder beendet. Ja, Mesh hatte – und hat – unbestreitbare Vorteile: Es springt direkt an, glüht kaum nach, ist langlebiger, und die elende Fummelei mit den dünnen Drähten entfällt auch. Aber wo Licht ist, da ist bekanntlich auch Schatten – im Falle des Mesh war es der recht kalte Dampf, der eher wenig pointierte, mitunter flache Geschmack, vor allem aber die Anfälligkeit für Hotspots. Selbst erfahrene Dampfer mussten plötzlich alles neu lernen, und viele von ihnen verloren bald wieder die Lust an dieser neuen Technik. Ein paar weitere Mesh-Selbstwickler kamen zwar noch auf den Markt, aber letztendlich blieb das Ganze eine Spielerei für ein paar wenige Nerds.

Zumal die Coils auch plötzlich nicht mehr nur einfache pieselige Drähte waren sondern eher Kunstwerken glichen: Clapton, Fused Clapton, Staggered Fused Clapton und Konsorten ließen nicht nur die Bastlerherzen höher schlagen. Die immer dicker werdenden Drähte ließen sich deutlich leichter verarbeiten – zumal die Geräte und damit die Decks auch immer breiter wurden – und auch geschmacklich begab man sich in ganz neue Sphären. Wer brauchte da noch Mesh?

Coils heute – kleine Kunstwerke

Doch dann begannen die chinesischen Hersteller plötzlich, auch in den Fertigcoils Mesh zu verbauen. Die ersten dieser Exemplare benötigten nicht nur deutlich höhere Leistungen, womit natürlich auch der Liquidverbrauch anstieg, sie waren geschmacklich auch zwischen belanglos und grottenschlecht anzusiedeln. Mit der Zeit wurden sie jedoch besser und besser, und mittlerweile überwiegen Mesh-Coils in den Fertigprodukten deutlich.

Und nach und nach tauchten auch wieder Selbstwickler für Mesh auf, mit immer ausgeklügelteren Decks, und spätestens mit dem Gevolution² auch geschmacklich auf höchstem Niveau!

Meshverdampfer der Extraklasse: Imist Simurg und GSV Gevolution²

Natürlich hören wir Dampfschnuten häufig die Frage, was denn besser sei – Mesh oder Coils. Und da können wir ganz klar antworten: Kommt drauf an. 😉

Bevor wir zu unseren persönlichen Vorlieben kommen, wollen wir hier erst mal, möglichst objektiv, die Vor- und Nachteile von Mesh gegenüber klassischen Coils aufzeigen:

Vorteile:

  • Mesh springt sofort an und benötigt, im Gegensatz zu den heute meist üblichen “Monstercoils”, kein Preheat.
  • Die Fummelei beim Wickeln entfällt, die Befestigung am Deck ist meist einfacher als einen dünnen – oder gar dicken – Draht unter eine kleine Schraube zu klemmen.
  • Der Geschmack ist deutlich intensiver – Mesh “hebt” die Aromen, wir sprechen gerne vom “Bäääm-Faktor”.
  • Hohe Leistung und eine große Fläche ergeben schönen, dichten Dampf.
  • Mesh hält deutlich länger als Coils, somit muss seltener gewickelt werden.

Nachteile:

  • Mesh ist auf Grund der großen Fläche nochmal deutlich anfälliger für Hotspots.
  • Der Geschmack ist vor allem bei komplexen Liquids wenig pointiert.
  • Gerade bei Topcoilern und hoher Leistung ist Mesh sehr “spritzig”.
  • Der Liquidverbrauch ist deutlich höher als bei klassischen Coils
  • Es gibt zwar verschiedene Materialien und unterschiedliche Meshstärken, trotzdem ist die Auswahl zum Experimentieren geringer als bei Coils.

Die Vor- und Nachteile halten sich also in etwa die Waage, aber vielleicht trägt diese Übersicht schon ein wenig zur Orientierung bei, ob man sich mit dem Thema Mesh überhaupt näher auseinander setzen will.

Mesh oder Coils, das ist hier die Frage

Wir Schnuten haben zum Mesh sehr konträre Meinungen:
Stefan ist, nach anfänglicher Skepsis, mittlerweile komplett auf Mesh umgestiegen – vor allem wegen des extrem einfachen Handlings, aber auch, weil es zu seinem Dampfverhalten – gemäßigter bis offener Lungenzug – passt und er auf sehr intensiven Geschmack steht.
Benedikt bleibt den klassischen Coils treu – er mag eher pointierte Geschmäcker, dampft auch mit eher zurückhaltendem Zug, außerdem sind ihm Meshverdampfer – zumal wenn es sich um Topcoiler handelt – einfach viel zu “spritzig”.

Und nun?

Wie bei fast allen Fragen rund um das Dampfen gibt es eigentlich nur eine Antwort, nämlich: Probiere es selbst aus! Hole dir dazu am besten einen preisgünstigen Verdampfer, den man sowohl mit Mesh als auch mit klassischen Coils nutzen kann – zum Beispiel den Siegfried von Vapefly. Und dann heißt es einfach spielen, testen, ausprobieren – und sich für die Lösung zu entscheiden, die einem persönlich mehr liegt.

Jou, das Fazit hätte man eigentlich erahnen können. 😉

 

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