Gryphus MTL – die Versöhnung
Gryphus MTL – die Versöhnung

Gryphus MTL – die Versöhnung

(Lesezeit: ca. 11 Minuten)

Ich tätige mit meinem vorschnellen Sabbel ja manchmal Äußerungen, die mir geraume Zeit später gerne mal um die Ohren fliegen. “Selber wickeln werde ich sicher nie” zum Beispiel. Oder, etwas aktueller, “Mesh taugt nicht für MTL. Gut, über meinen Kommentar zum Selbstwickeln schmunzeln wir bereits seit Jahren immer mal wieder, die Anmerkung zu Mesh und MTL hingegen bedarf noch einer kleinen Aufarbeitung. Zwar hatte ich bereits beim Simurg SX mal den Versuch des recht strikten Zuges getestet, und auch den Gryphus RDL zumindest mit sehr offenem MTL-Zug betrieben, beides für “richtige Backedampfer” aber nur als mäßig geeignet erachtet. Und obwohl ich seit einigen Jahren – ganz im Gegensatz zu meiner Anfangszeit – eher der RDL- oder gar DL-Fraktion angehöre, lässt mich das Thema Mesh und MTL irgendwie nicht los. “Dummerweise” hat der Hersteller meiner Lieblingsdampfen ja auch einen expliziten MTL-Verdampfer im Angebot. Tja, und was soll ich sagen…

Der Gryphus 24 MTL

Der erste Eindruck 

Die Verwandtschaft zu seinem großen Bruder ist sofort erkennbar, auch wenn der obere Part neu gestaltet wurde: Durch die flache Topcap und die enger gerändelte AFC wirkt der “Kleine” etwas schlichter, zugleich aber auch moderner. Obwohl nur zwei Millimeter weniger im Durchmesser wirkt er deutlich schlanker, dennoch stimmig in den Proportionen. Für die Optik gibt es also schon mal die ersten Sternchen.

Wie die RDL-Variante verfügt auch der Gryphus 24 über eine Topcap mit einem – angenehm leichtgängigen – Schraubverschluss und ausreichend große Liquidöffnungen. Beim wesentlich schlankeren Driptip wird schnell klar, dass es sich hier wohl um einen MTL-Verdampfer handeln muss:

Gryphus RDL (links), Gryphus 24 MTL (rechts)

Dies ist übrigens tatsächlich mal ein Original Driptip, das mir zusagt! Optisch eher unaufdringlich, aber es schmeichelt angenehm den Lippen, sowohl Innen- als auch Außendurchmesser stimmen, und obwohl vielleicht ein paar Millimeter zu kurz würde ich es wahrscheinlich sogar dauerhaft nutzen. Dennoch habe ich natürlich ein wenig experimentiert – und mich letztendlich doch für ein Dampfwürmchen entschieden. Aber das nur am Rande. 😉

Zurück zum Gryphus 24. Auf den zweiten Blick entdeckt man, dass auch die Luftführung fürs Backeschnutzeln ausgelegt ist: Lediglich 7 Luftlöcher pro Seite stehen zur Verfügung – die Hälfte vom normalen Gryphus. Die AFC ist recht leichtgängig, präzise einstellbar und variiert von einem relativ geschlossenen MTL- bis hin zu etwas offenerem RDL-Zug.
Apropos “zweiter Blick”: Als alter Mann muss man, je nach Lichteinfall, schon sehr genau hinsehen um zu erkennen, wie viele Löcher gerade offen sind. Aber da man im Alltag in der Regel ja seine bevorzugte Lufteinstellung nicht ständig verändert, sollte das in der Praxis kein Problem darstellen.

Für den Test habe ich natürlich viel experimentiert, aber tatsächlich dampfe ich meist mit nur einem geöffneten Luftloch. Da kommt schon ein wirklich gutes MTL-Gefühl auf, wobei es sicher Verdampfer auf dem Markt gibt, die noch mal ein Stück restriktiver sind.

AFC-Ring und Lufteinlass

Das Zuggeräusch ist hörbar, aber keinesfalls aufdringlich, und ein Pfeifen kann ich in keiner einzigen Stellung des AFC-Rings vernehmen – da wurde also mal wieder sauber gearbeitet.

Die Vorbereitung

Mit seinen 24 Millimetern Durchmesser ist der MTL-Gryphus der Schlankste in der Imist-Familie – so richtig wird einem das ganze Ausmaß aber erst klar, wenn man die Base abschraubt und das Deck betrachtet:

Decks Gryphus RDL (links), Gryphus 24 MTL (rechts)

Gemessen an den anderen Imist-Decks ist dieses Deck winzig! Wie um Himmels Willen soll ein Grobmotoriker wie ich das bewältigen? Zumal die beigelegten 3mm SS316L-Mesh-Streifen – die ich für die Tests ausschließlich verwende – auch eher Puppenhaus-Assoziationen wecken. Worauf habe ich mich da nur eingelassen?

Auch bei diesem Deck wird natürlich auf die Durchschleiftechnik gesetzt, und ja, wenn man sich erst mal an die Dimensionen gewöhnt hat – und die Brille aufsetzt – kommt man damit auch ganz gut klar. Alles läuft geschmeidig, wie von den Simurgs gewohnt – nur halt ein bis drei Nummern kleiner.

Alles ist klein. Sehr klein!

Wie bei jedem neuen Deck heißt es bei der Wattierung einfach mal ausprobieren, und natürlich hat man erst mal gefühlt viel zu viel Watte. Aber die Erfahrungen, die ich beim Gryphus RDL gemacht habe, helfen: Gut ausdünnen und, wichtig, bis auf den Boden der Wattetaschen legen! Richtig verlegt gibt es beim Nachfluss kein Problem, da blubbert auch nichts, und generell scheint mir der MTL Gryphus bei der Wattierung weitaus weniger empfindlich zu sein als sein großer Bruder.

Bei der Wattemenge heißt es experimentieren

So viel zu den Vorbereitungen, kommen wir nun zu den spannenden Fragen:
Taugt Mesh vielleicht doch für den MTL-Gebrauch? Und kann es den intensiven Geschmack, den man von klassischen MTL-Coilverdampfern kennt, auch wirklich rüberbringen?

Die Tests

Als erstes Testliquid gibt es das “Tom Sawyer Classic” von Tom Klark. Nicht nur, weil es sehr komplex und somit recht anspruchsvoll ist, sondern auch, weil ich das Liquid schon in zig Verdampfern getestet habe und entsprechend gut kenne.
Kleiner Nebeneffekt: Es ist extrem coil- und watteschonend, praktisch bei einem Bottomcoiler, bei dem es in der Regel doch etwas aufwendiger ist, mal eben die Wicklung zu korrigieren – zumal kleines Deck… Grobmotoriker… ihr versteht. 😉

Test-Setting 1

Und da kommt auch schon das erste große Aha-Erlebnis: Der Gryphus interpretiert das Liquid genau so, wie ich es aus meinen Referenzgeräten kenne – selbst hinter einem SQuape oder Taifun GTR muss er sich nicht verstecken! Ich bin angenehm überrascht, das hätte ich einem Mesh-Verdampfer wirklich nicht zugetraut. Selbst Benedikt – Mesh-Skeptiker und Tom Sawyer-Liebhaber – ist sehr angetan, und ein größeres Lob ist eigentlich kaum noch möglich.

Eine Anmerkung zum Flash: Beim Test des Gryphus RDL seinerzeit fand ich Flash und Throat-Hit ja fast schon unangenehm heftig. Das ging nicht nur mir so, und bald wurde eine kleinere Verdampferkammer, das “Intensifiers-Kit”, als Zubehör angeboten, welches den Flash senken und den Geschmack heben sollte. Beim 24er Gryphus ist die Kammer bereits sehr klein, und selbst mit den 3mg Nikotin des Testliquids (normalerweise dampfe ich mit 1,5mg) waren Flash und Throat-Hit zwar spürbar, aber keinesfalls unangenehm.

Als zweites Testliquid gibt es das Berry Marmalade von 5EL. Nicht alle Verdampfer schaffen es, sowohl die süßfruchtige Komponente als auch die leichte Säure der Stachelbeere ausgewogen zu interpretieren.

Test-Setting 2

Vergleichsgeräte sind der GT IV, der GT V und der Simurg SX, allesamt also offener im Zug. Entsprechend fehlt natürlich hier ein wenig die Wucht, alles ist etwas feiner, nuancierter – eben so, wie man es bei einem MTL-Gerät erwartet.

Auch dieses Liquid bringt der Gryphus gut auf den Punkt: Süße, Säure, Fruchtigkeit – alles ist da, wenn auch etwas zu dezent. Offensichtlich braucht dieses Liquid etwas mehr Leistung, und tatsächlich: 10 bis 15 Watt mehr ergeben eine deutlich höhere Präsenz. Erfreulicherweise gibt es auch bei knapp 30 Watt noch kein Problem mit dem Nachfluss. Dennoch scheint dieses Liquid etwas mehr Luft zu benötigen um sich so richtig zu entfalten.

Ein interessanter Nebenaspekt: Ich füge dem Berry Marmalade immer ein paar Spritzer Menthol hinzu, und diese Frischenote ist beim Gryphus noch ein wenig präsenter als im Simurg SX. Offensichtlich kann der Kleine also auch “frisch”.

Also wird es jetzt Zeit für den “Endgegner”, ein weiteres Tom Klark’s-Liquid, und zwar das Dark Menthol. Dies beschreibt der Hersteller wie folgt:

„Dark Menthol“ ist frisch und gleichzeitig dunkel, es erinnert an Wälder, Farne und Pflanzen im Regenwald. Man schmeckt förmlich den frischen Tau auf den Blättern und genießt ein natürliches und reines Geschmacksgefühl. Das Liquid ist „geschliffen wie ein Brillant“

Weißte bescheid, ne?

Test-Setting 3

Auch wenn diese blumige Beschreibung ein wenig zu viel des Merch-Sprechs ist, trifft sie es eigentlich ganz gut. Dark Menthol ist wie die meisten Erzeugnisse aus der Tom Klark-Welt sehr komplex, dazu wirklich schwer zu beschreiben – und für mich seit Jahren eines der besten MTL-Liquids überhaupt.

Und spätestens hier hat mich der Gryphus vollends in seinen Bann gezogen, interpretiert er das Liquid doch mindestens so gut, wie ich es sonst nur vom SQuape oder vom Kayfun kenne: Rund, erdig, mit dezenter Süße, und mit genau dem passenden Maß an Frische, welches sich über das Absenken oder Verstärken der Leistung nochmals variieren lässt. Das macht so viel Spaß, dass ich dampfe, bis der Schädel dröhnt und der Akku glüht – und ich bin froh, mir rechtzeitig vor der Steuer noch einen kleinen Vorrat dieses Leckerchens bestellt zu haben.

Fazit 1:

Ja, mit einer kleinen Kammer, einem dünnen, nicht zu niederohmigen Mesh-Streifen, wenig Luft und adäquater Leistung funktioniert das mit MTL und Mesh tatsächlich – und zwar richtig gut. Ich muss also meine mehrfach geäußerte Meinung endgültig revidieren und Abbitte leisten – das mache ich nach diesen Tests aber gerne.

Kleine Verdampferkammer – gute Voraussetzung für MTL

Werde ich nun aber (wieder) zum dauerhaften Backeschnutzler? Nein! Ich brauche Luft. Und je weiter der Tag vorangeschritten ist, desto mehr Luft. Aber ich habe den Spaß am MTL-Dampfen tatsächlich wieder für mich entdeckt, und das nicht nur, weil es Nostalgiegefühle weckt – es hat einfach was Gemütliches, ja geradezu Entspanntes. Und vor allem ist es immer wieder ein Geschmackserlebnis.

Zusätzlich ist das dezente Dampfen natürlich auch akku- und vor allem liquidsparend. Das war für mich zwar noch nie wirklich ein Kriterium, aber in Anbetracht der zu erwartenden Preissteigerung durch die Steuer könnte dies beim ein oder anderen durchaus zum Ändern der Dampfgewohnheit führen.

Ich habe mir für die Veröffentlichung dieses Testberichts extra sehr viel Zeit gelassen, einfach um zu sehen, wie oft ich zu der MTL-Kombi greife, wenn die Anfangseuphorie verflogen ist. Und auch, wenn ich in erster Linie ein RDLer bleibe, greife ich immer wieder gerne zum MTL-Gryphus – einfach weil es Spaß macht. So wandert der Gryphus nach den Tests auch nicht in die Vitrine sondern bleibt auf dem Schreibtisch stehen, und das hat schon lange kein MTL-Verdampfer mehr geschafft!

Auswahl für jede Gelegenheit…

Und untenrum?

Bei der Wahl eines passenden Akkuträgers sollte einen der Gryphus MTL mit seinen 24mm Durchmesser nicht vor all zu große Probleme stellen, zumal bei moderater Leistung auch ein Single-Akkuträger ausreicht. Schwierig wird es nur, wenn man es ganz klassisch mag und nach einer passenden Tube sucht – diese kommen fast ausnahmslos mit 23 oder 25 Millimeter Durchmesser daher, das wird ohne einen – mal mehr, mal weniger störenden – Überstand also eher nichts.

Gryphus 24 auf Dicodes Dani 25, EhPro Coldsteel 200, Dovpo Riva, Tesla Steampunk Nano, SX Mini MX-Class, Scarabäus Pro

Normalerweise bin ich ja ein großer Freund von DNA-Akkuträgern – wobei das kein Muss ist, auch mein “Unterwegs-Simurg” sitzt mittlerweile auf einer “Stangenware-Box”, der Coldsteel 200 von EhPro. Diesmal habe ich mich als Schuh für den “Brunhilde” Side by Side-Mod von Vapefly entschieden. Hier stimmt einfach der Gesamteindruck: Die Kombi ist schön klein und handlich, mit knapp 300g inklusive eines 21700er-Akkus noch recht leicht, und die obenliegende AFC verhindert auch, dass man ausversehen mit den Fingern die Luftlöcher verschließt. Dazu weisen die typischen Brunhilde-Schwingen an der Box sogar eine leichte Ähnlichkeit mit dem Gryphus-Logo auf – jedenfalls wenn man etwas oberflächlicher hinschaut. 😉

Gryphus 24 auf Brunhilde SBS-Mod mit Dampfwürmchen

Fazit 2:

Eroltec hat mit dem Gryphus 24 MTL einen wirklich guten Verdampfer für die MTL-Fraktion geschaffen. Einfach im Handling, hervorragend im Geschmack, und die Verarbeitung ist auf gewohnt hohem Niveau.

Wie nicht anders erwartet, ist auch diesmal ist das mitgelieferte Zubehör umfangreich: Ersatz-O-Ringe und -schrauben, ein Ersatzglas sowie das passende Werkzeug – wenn auch nicht in Form des schmucken Multitools, das man vom Simurg kennt – sind dabei, ebenso wie zwei Mesh-Streifen und ein wenig Watte, um nach dem Kauf sofort loszulegen. Außerdem ist ein klassisches Singlecoil-Deck im Lieferumfang enthalten, für all diejenigen, die mit Mesh partout nicht klarkommen, oder die einfach ein wenig experimentieren wollen. Der Preis von knapp 90 (für die Edelstahlversion) bzw. 100 Euro (für die schwarze PVD-Version) geht also vollkommen in Ordnung.

Gryphus 24 MTL mit Zubehör

Ja, diesmal war es wirklich ein sehr ausführlicher, langer Test, und zwar nicht nur um des Testens Willen, sondern weil es einfach sehr großen Spaß gemacht hat.

So, und bevor jetzt alle weinen, weil es hier zuletzt fast nur um Meshverdampfer ging – das nächste Review ist schon in Arbeit, diesmal tatsächlich zu einem klassischen Coilverdampfer eines namhaften deutschen Herstellers, den Benedikt schon auf Herz und Nieren testet. Also dranbleiben – es bleibt spannend. 😉

 

Imist Gryphus 24 MTL von Eroltec
Bottom-Coil RTA
Mesh-Deck vorinstalliert, Single-Coil-Deck enthalten
Durchmesser: 24mm
Länge: 58mm (mit Driptip)
Füllmenge: 6ml
Top-to-Bottom Airflow
Erhältlich in Edelstahl und PVD Black
Preis: 89,95 / 99,95 Euro

 

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